Vor Ort in Grauer Ort (bei Stade) 2002

Parallele Räume - was weiß ist ist auch schwarz und deshalb ist es weiß (zen)

- ein Kooperationsprojekt Ute Seifert (BK) – Aida Käser-Beck (Komponistin)

Ute Seifert
hat in diesem interessanten Raum, dessen multigonaler Grundriß und gehüftete Gewölbeformen durch die sechseckige Anlage des Gesamtbaus entstanden ist, auf die noch klar zu erkennende Farbtrennung zwischen weißer Kalkung und schwarzem Bitumenanstrich reagiert. Weiß und schwarz – da blickt man nach Fernost, Yin und Yang als Zeichen der Einheit in der Dualität fällt uns sofort ein. Der Zen- Ausspruch „Was weiß ist, ist auch schwarz, und deshalb ist es weiß" als Motto der Installation gibt Ute Seifert Gelegenheit, über das kontrastreiche formale Spannungsfeld von Innen und Außen, Körper und Raum, Licht und Schatten, Tag und Nacht nachzudenken, das auch immer die menschlich – inhaltliche Dimension in sich trägt. Insbesondere der Gedanke an die Situationen von Freude und Kummer, die Menschen hier in den Grauerort –Räumen erlebt haben mögen. Schwarz repräsentiert für Ute Seifert die innere, verborgene, seelisch-geistige Natur, Weiß hingegen die äußerlich sichtbare, „belichtete" Welt. Die Mediante zwischen beiden Polen liegt im „Rot-Aufrecht", das für das Ich, die Ich-Kraft steht, die den Menschen, besonders in Extrem-Situationen, stärkt. Von Schwarz zu rot führt die Energiebrücke auch über ringsum in den Lüftungs-Öffnungen angeordneten Brikettstücke - und auch die Natur zeigt hier ihre unvergleichliche Dualität: unter dem hohen Druck der Jahrmillionen macht sie aus der wärmenden Schwärze der Kohle den schneidend harten, kühlen und lichtvoll strahlenden Diamant. Die Atmosphäre des Raums erschließt sich weiter durch den Einsatz von Klängen, die von der Schweizer Komponistin Aida Käser Beck real auf dem Klavier eingespielt sind und erst bei konzentriertem Zuhören im Nachhall ihre Obertöne preisgeben. Sie klingen aus separaten Lautsprechern. „Rote" Klänge sind weitere eigenständige Motive, die die schwarz-weiß-Klänge überfluten und aus beiden Lautsprechern ertönen. Eine Arbeit, die Farbe und Farbwirkungen auf einer Zwischenebene menschlicher Erfahrungswerte untersucht und diese zu sensibilisieren sucht.

Jutta de Vries

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